„Eher kahl und schlicht“ so sahen schon vor fünf Jahre die Cammeraner ihre Kirche. Das führte im Oktober 2003 zu dem Beschluss dem Innenraum einen neuen Anstrich zu geben. Am 2.Advent war es so weit, mit einer kleinen Einweihungsfeier wurde die renovierte Apsis übergeben. Die Decke leuchtet im Himmelblau, durchsetzt von kleinen goldenen Sternchen. Der Eindruck unterm Himmelfirmament zu stehen wird erst vollkommen, wenn die Decke angestrahlt wird. Die Anbringung der Strahler steht allerdings noch an. Vor der Ausmalung waren denkmalpflegerische Untersuchungen notwendig. So hat man bei der Farbanalyse drei unterschiedliche Ausmalungsvarianten gefunden worden. Man entschied sich für die Variante aus dem 19.Jahrhundert. Unter der Anleitung der Restauratorin Frau Brumme wurde zuerst die alte Latexfarbe in Handarbeit entfernt.

„Zum Glück hatten wir einige MAE-Kräfte als Hilfe, sonst wäre es nicht zu bewältigen gewesen“ so Pfarrer Jens Meiburg. Besonders freute es den Pfarrer, dass die ortsansässige Baufirma Joachim Richter die Putzarbeiten gesponsert hat. Die Ausmalung hat der Malermeister Andreas Kraft aus Golzow übernommen. Sorgen bereitet der Gemeinde die Nässe im Mauerwerk. An Teilen des renovierten Mauerwerks ist sie schon wieder sichtbar. Deshalb wird im nächsten Jahr die Außenmauer im Bereich der Apsis mit einer Wassersperrschicht versehen. „Ich bin das Licht der Welt“ ist jetzt über dem Apsisbogen zu lesen, ein neuer Leitspruch für den Pfarrbezirk Cammer. Kahl ist die Kirche nicht mehr, auch im Licht kann sie sich jetzt sehen lassen.
Baustellenbesichtigung ohne Gäste
Kirchturm als erstes saniert, Kirchenschiff soll folgen. Nachdem der Putz am Cammeraner Kirchturm abgeschlagen worden ist, wurden die Schäden erst deutlich sichtbar. Die Balken sind marode, haben sich zum Teil längst vom Mauerwerk gelöst. Am Dienstag haben der Architekt Wolfdietrich Max Vogt und der Gemeindekirchenrat alle Bürger des Dorfes zu einer Baustellenbesichtigung eingeladen. Allerdings ist niemand gekommen ,ob es an der frühen Uhrzeit oder mangelndem Interesse lag ist schwer zu beurteilen. "Ich bin enttäuscht", ließ sich der Kirchenälteste Lutz Säger vernehmen. Dabei hätten sich alle über den aktuellen Stand der Arbeiten informieren und vor allem den Ausmaß der Schäden in Augenschein nehmen können. Schon vorab bat Pfarrer Jens Meiburg um Mitwirkung. "Um dem Gebäude wieder einen bautechnisch einwandfreien Zustand und der Kirche ein würdiges Aussehen zu verleihen, bitten wir um ihre Mithilfe, ihre Gedanken, Meinungen und Ideen", appellierte er an alle Einwohner. So sucht der Gemeindekirchenrat nach Lösungen für den Eingangsbereich. So weit ist es aber noch lange nicht. "Wir werden noch Monate brauchen, um des Mauerwerk Schritt für Schritt aufzunehmen, den Zimmerlauten Baufreiheit an den Balken zu schaffen", berichtet Sven Noll von der Friesacker Firma "Gottschalk Baudenkmalpflege" und entsorgt den nächsten Eimer mit Bauschutt. Währenddessen steht Architekt Vogt vor der Kirche und wartet auf vielleicht verspätete Besucher. Er hat eigens einen schon ausgebauten alten Balken als Schauobjekt vor dem Kircheneingang platziert. Anhand des morschen Holzes wollte er zeigen, wie schlimm es um das Fachwerk im Inneren bestellt ist. "Wir wundern uns eigentlich, dass der Turm immer noch steht", sagt Vogt. Bis Ende August hofft er die Schäden insgesamt aufgenommen zu haben, dann soll er der zweite Bauabschnitt beginnen. Dann wird es an die Kirchenschiffsanierung auf der Nordseite gehen.

"Wir suchen immer noch nach der besten Lösung", bekennt der Bauplaner offen. Die Kirchturmspitze macht ihm dabei die meisten Sorgen. Das Mauerwerk der Spitze ist auf Holzstielen gelagert, auch diese müssen ausgetauscht werden. Um diese nicht über Gebühr zu belasten, wurde jetzt das Glockenläuten eingestellt, einzig der Stundenschlag ertönt noch vom Turm. "Aber auch dabei merkt man die Vibrationen", hat Vogt bemerkt. Jetzt wird der Statiker über das weitere Vorgehen entscheiden. Finden doch im Schiff immer noch die Trauerfeiern statt. Dann ruhen auch die Bauarbeiten, die durch den langen Winter schon im Verzug sind. "Wir hoffen, dass wir die Turmsanierung noch in diesem Jahr abschließen können", Wolfdietrich Vogt strahlt vorsichtigen Optimismus aus. Dann könnte auch eine neue Turmzier mit Wetterfahne angebracht werden. Die jetzige weist auf die Erweiterung des Bau im Jahr 1779 und auf die Sanierung 1975 hin. Die neu soll auch auf das Jahr 2015 hinweisen, das voraussichtliche Ende der aktuellen Arbeiten. Unter der Wetterfahne sollen eine Weltkugel und der Schaft vergoldet werden, ebenso wie ein Stern darüber. "Sagen sie ihre Meinung auch dazu, immerhin soll der Zierrat 5250 Euro kosten, dafür wollen wir sammeln", so Pfarrer Meiburg. Am 10.08. werden Architekt und Pfarrer noch einmal zu einer Kirchenbesichtigung bitten. "Dann hoffe ich, dass doch jemand Interesse zeigt", so Lutz Säger. Die Gesamtkosten der Sanierung werden von Vogt auf etwa 330.000 Euro geschätzt, allerdings sind bisher nur die ersten beiden Bauabschnitte ausfinanziert.
Gähnende Leere statt Erinnerungsstücke - Turmzieröffnung verlief enttäuschend
Die Renovierung des Turms der Dorfkirche Cammer schreitet voran. Vor einigen Tagen wurde die Turmhaube abgenommen. Besonders groß war die Neugierde darüber, was sich wohl in der Kirchenzier, also der Kapsel unterhalb der Wetterfahne befinden könnte. Diese wurde bei der letzten Sanierung im Jahr 1975 neu auf dem Turm installiert. Am vergangenen Mittwoch luden der Architekt Max Vogt und Pfarrer Edgar Meissner zur Öffnung ein. Gespannt warteten die Anwesenden auf die Lüftung des Geheimnisses. Mit einem Winkelschleifer trennte ein Bauarbeiter die bleierne Kapsel auf. Alle blickten gespannt ins Innere, hoffte auf Münzen, Zeitungen oder Bauberichte. Beim Anblick der leeren Kirchzier wich die Spannung der Enttäuschung. Offenbar haben die Verantwortlichen vor 39 Jahren keinen Sinn für Erinnerungsgaben gehabt. Damals hat das ganze Dorf bei der Sanierung mit angepackt. "Ich muss sagen, dass ich mir doch etwas mehr erwartet habe", der Cammeraner Dieter Müller hielt nicht mit seiner Enttäuschung zurück. Damit die folgenden Generationen nicht ähnliches erleben müssen, soll es jetzt anders werden.

Zwar soll erst der Gemeindekirchenrat die Zusammensetzung der nächsten Füllung beschließen, jedoch gibt es die Idee, wie Vorsitzende Annerose Lucas sagte, aktuelle Zeitungen, Münzen, die Namen der Kirchenratsmitglieder und ein Protokoll der Bauarbeiten in die neue Zier zu packen. Übrigens hat die Gefahr bestanden, dass die Kirchturmspitze samt Zier und Wetterfahne herabstürzt. "Der Kaiserstiel, auch Helmstange genannt, der die Konstruktion hielt, war vollkommen verrottet", berichtete der Architekt. Jetzt wird auch dieser erneuert. Gleiches gilt für die eiserne Wetterfahne. Bisher war darauf das Datum des Baus, 1779 und das der vorigen Sanierung, 1975 zu lesen. Die letzte Jahreszahl wird nun durch 2014 ersetzt. Klar ist auf jedem Fall, dass die Konstruktion schon vor Abschluss der Sanierung angebracht werden muss. "Es geht nur, solange das Gerüst noch steht", gab sich Vogt pragmatisch.

Allein die Turmsanierung soll über 100.000 Euro kosten, wovon die Hälfte durch das Land Brandenburg gefördert wird. Die gesamte Kirchensanierung wird rund mit 330.000 Euro zu Buche schlagen. Ob die Turmsanierung und damit der erste Bauabschnitt, wie geplant in diesem Jahr abgeschlossen werden kann, ist noch nicht gesichert.
